Reisebericht
Am Freitag, den 28. Mai starteten wir, 41
Sängerinnen und Sänger, unsere Betreuerinnen Andrea Unterguggenberger und Claudia Koenen und unser Chorleiter Andreas
Unterguggenberger um 13.30 Uhr am Aschaffenburger Volksfestplatz in Richtung
Flughafen Frankfurt/Main. Unser Flug LH 4942 startete pünktlich um 16.40 Uhr.
Schon
während des Fluges merkten wir, dass das Wetter immer besser wird.
„Wenn Engel
reisen….“
Für einige
war es der erste Flug, auch für unser Geburtstagskind Henry. „Zufällig“ erfuhr
die Stewardess davon, dass Henri an diesem Tag 11 Jahre alt wurde. Während des
Fluges gratulierte sie über Lautsprecher und der Chor stimmte hoch über den
Wolken zu einem Geburtstagsständchen an. Henri durfte sogar, entgegen aller
Sicherheitsbestimmungen, während der Landung im Cockpit sitzen und die Landung
in Edinburgh aus einer ganz besonderen Perspektive erleben.
17.40 Uhr
Ortszeit landeten wir in Edinburgh, wo wir gleich von unserem Bus von
„Aberfeldy Motors“ abgeholt und nach
Perth gebracht wurden. Wegen eines Staus vor der großen Brücke über den Firth
of Forth (gäl.: Abhainn Dhubh) kamen wir mit etwas
Verspätung an der Craigclowan Preparatory School in Perth an, wo wir schon von
unseren Gastfamilien erwartet und freudig begrüßt wurden.
Den Abend
verbrachten die Sängerinnen und Sänger in den Gastfamilien. Teilweise waren wir
in kleinen „Schlösschen“ untergebracht, in Himmelbetten gebettet und von
Schafen und Ziegen umgeben.
So haben
wir uns Schottland vorgestellt….
Den Samstagvormittag verbrachten wir mit
unseren Gastfamilien. Um 15.00 Uhr trafen wir uns in der St. Johns Kirk in
Perth zu einer Probe. Mittlerweile war auch unsere Organistin Caroline Roth aus
Köln eingetroffen. Unsere Probe verlief reibungslos. Die Probe mit dem
Erwachsenenchor, dem schottischen Kinderchor und dem Orchester war, bedingt
durch Sprachschwierigkeiten und Platzmangel, etwas „chaotisch“.
Um 19.30
Uhr fand dann das Benefizkonzert zugunsten von Kindern in Haiti statt. Zuerst
sang der Senior Choir der Craigclowan Preparatory School bevor wir dann unser
Programm mit Werken der Gregorianik, von Pergolesi, Rheinberger, Caccini und
Tambling. Natürlich durfte unser „I will lift up mine eyes“ nicht fehlen. Der
Applaus des Publikums zeigte den jungen Sängerinnen und Sängern, dass sie eine
hervorragende Leistung erbracht hatten. Selbst der „kritische“ Aschaffenburger
Chorleiter machte ein zufriedenes Gesicht. Im zweiten Teil des Konzertes kam
dann die „Mass of the Children“ des englischen Komponisten John Rutter zur
Aufführung. Wir musizierten gemeinsam mit dem Chor der Craigclowan Preparatory
School, der Perth Choral Society und einem Instrumentalensemble. Neben
zahlreichen Besuchern kam auch der Provost von Perth, John Hulbert um uns zu
hören. Die Zuhörer waren sichtlich gerührt und begeistert. An diesem Abend
konnten ca. 2000 Euro für Kinder in Haiti gesammelt werden.
Am Sonntag, den 30. Mai trafen wir uns um
9.00 Uhr um nach Dundee zu fahren. Bei strömendem Regen kamen wir an der
katholischen St. Andrews Cathedral an und wurden herzlich von Father Martin und
dem Organisten Mr. Joseph Antrobus empfangen. Nach einer kurzen Probe gingen
wir ungefähr drei Stockwerke in den Untergrund um uns für das Pontifikalamt
umzuziehen.
Wir durften
einen beeindruckenden und berührenden Gottesdienst mit Bischof Vincent Logan
feiern. Wieder einmal waren wir von der schottischen Gastfreundschaft
überwältigt. Die Verantwortlichen hatten sich richtig Mühe gemacht um uns in
Deutsch zu begrüßen. Selbst Bischof Logan sprach einige Worte in Deutsch an
uns. Die Fürbitten waren zweisprachig vorbereitet und wurden von einem
schottischen Lektor und Hannah Kiesel vorgetragen. Und die Aschaffenburger sangen
so schön, dass am Ende des Gottesdienstes die Sonne durch die Kirchenfenster
strahlte.
„Wenn Engel
singen und reisen….“
Provost
John Hulbert aus Perth hatte es sich nicht nehmen lassen und ist extra wegen
uns nach Dundee gefahren um am Pontifikalamt teilzunehmen.
Nach dem
Gottesdienst war ein Empfang mit Getränken, Sandwiches, Shortbread und anderen
Leckereien für uns vorbereitet. Andreas Unterguggenberger bedankte sich bei
Bischof Logan und Father Martin für den tollen Empfang und die herzliche
Gastfreundschaft und „for the shortest sermon of a bishop“ – für die kürzeste Bischofspredigt, die wir je
erleben durften. Und wir haben in unserem Chorleben schon viele gehört….
Natürlich wurden auch Gastgeschenk wie eine CD und Bücher über Aschaffenburg
und das Stift überreicht.
Im
Anschluss an den Gottesdienst hatten wir noch Zeit um kurz durch das Zentrum
von Dundee zu bummeln.
Am
Nachmittag stand der Besuch von Glamis Castle an. Wir hatten eine Führung durch
den Wohnsitz des Earls und der Countess of Strathmore. „Queen Mum“ verbrachte
hier ihre Kindheit und ihre Tochter Prinzessin Margaret wurde hier geboren. Ein
Bild des Schlosses ist auf der Zehn-Pfund-Note der Royal Bank of Scotland
abgebildet.
Das Schloss
findet sich in zahlreichen Sagen wieder und hat, will man örtlichen Legenden
glauben, mehr dunkle Geheimnisse als jedes andere Schloss im Vereinigten
Königreich. Auch in der Literatur fand es Erwähnung, z. B. in William
Shakespeares Macbeth.
Den Abend
verbrachten wir wieder mit unseren Gastfamilien, zum Teil fanden
Barbecue-Partys im großen Kreis statt.
Montag, der 31. Mai – Der Tag des Abschiedes. Am Morgen
trafen wir uns auf dem Gelände der Craigclowan Preparatory School um unseren
Bus zu beladen und uns von unseren Gastfamilien und Gastgebern zu verabschieden.
Als letzter offizieller Punkt stand ein Empfang beim Provost von Perth auf dem
Programm. Im Rathaus von Perth wurden wir herzlich empfangen. John Hulbert
dankte uns noch einmal für unser Kommen und das beeindruckende und berührende
Konzert am Samstagabend. Andreas Unterguggenberger bedankte sich für die
Einladung und die Ehre, Teil der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Stadtjubiläum
gewesen sein zu dürfen. Der Provost erhielt neben edlen Tischservietten mit dem
Emblem der Stiftsbasilika und einer CD auch eine Regenjacke für seinen nächsten
Besuch in Aschaffenburg.
Der Chor
bedankte sich mit dem schottischen Lied „My bonnie is over the ocean“ beim
Provost, der sichtlich gerührt war.
Im
Anschluss hieß es dann auch Abschied nehmen von Ástmar Olafson, dem Chorleiter des schottischen
Partnerchores, der unseren Aufenthalt perfekt organisiert hatte. Er und Andy
Rathborne, der Headmaster der Schule gaben uns das Versprechen, dass sie uns mit
ihrem Chor baldmöglichst in Aschaffenburg besuchen kommen.
Dann ging
es los mit unserer Fahrt in die Highlands. Das Ziel das Abends hieß Inverness,
die Stadt am Caledonian Canal im Norden von Loch Ness. Wir bewunderten eine traumhafte,
sattgrüne Landschaft die alle zehn Minuten ihr Gesicht änderte. Es gab viel zu
staunen und zu bewundern. Leider führte der Weg auch über sehr kurvige Straßen
und so waren Chorleiter und Begleitpersonen damit beschäftigt, sämtliche
Plastiktüten im Bus ausfindig zu machen und zu verteilen. Erst eine
„Zwangspause“ verschaffte allen müden und durchgeschüttelten Sängerinnen und
Sängern eine Prise Frischluft und etwas Bewegung. Danach ging es weiter zum
ersten Halt im malerischen Highland-Örtchen Braemar. In Kleingruppen erkundeten
wir das Städtchen bevor es weiter durch die Highlands ging. In der Ferne konnte
man den schottischen Landsitz der Queen, Balmoral, sehen. In Balater legten wir
einen weiteren Zwischenstop ein, besuchten die kleine Kirche und stürmten die
Geschäfte.
Am Abend
kamen wir in unseren ersten Etappenziel unserer „Highland-Tour“ an: Inverness.
Alle waren vom Craigmonie Hotel sofort begeistert. Dieser Eindruck verstärkte
sich noch beim grandiosen Abendessen mit Vorspeisen, Hauptgängen und einer
reichen Auswahl an Nachtischen.
Dieses
Menue musste natürlich verdaut werden und so verordnete der Chorleiter, der ja
immer auf die Gesundheit seiner Schützlinge bedacht ist, einen kleinen
Spaziergang. Wir spazierten eineinhalb Stunden durch die wunderschöne
Innenstadt zum River Ness, der von Loch Ness bis in die Nordsee fließt. Wir
stürmten den Schlossberg, flanierten an der Uferpromenade und brachten
Hängebrücken zum Wackeln.
Und so
fielen fast alle müde und erschöpft in die sauberen und weichen Hotelbetten.
Bis auf einige wenige, die erst um kurz nach zwölf feststellten, dass sie keine
Bettdecken hatten. Kurzerhand wurde der Chorleiter aus dem Bett geklopft.
Dieser dachte zuerst an einen Streich, machte sich dann aber doch mit den zwei
Damen auf die Suche nach einem Hotelangestellten. Dieser konnte dann nach
langer Suche noch eine Bettdecke auftreiben.
Am Dienstag, den 1. Juni war es endlich
soweit; wir machten uns auf die Suche nach dem Monster, von dem sicher schon
fast jedes Kinder einmal gehört hat: NESSIE.
Mit einem
Schiff der Jacobite Cruises fuhren wir ein Stück den Caledonian Canal, der die
Nordsee mit dem Atlantik verbindet, hinauf um mit Hilfe einer Staustufe endlich
auf Loch Ness hinaus fahren zu können. Viele Augen suchten das Wasser ab und
Nessie wurde mehrfach entdeckt, aber wir haben unseren schottischen Freunden
versprochen, dass wir niemanden erzählen, wie Nessie aussieht, denn sonst würde
der schottische Tourismus zusammenbrechen. Nach einer herrlichen, fast zwei
Stunden dauernden erfrischenden Schifffahrt erreichten Urquhart Castle, eine der ältesten Burgruinen Schottlands. Von dort bot
sich noch einmal ein wundervoller Blick über Loch Ness und die herrliche
Umgebung.
Unser Bus holte uns an der Burgruine ab und fuhr uns am Westufer entlang
bis Fort Augustus am Südufer des Sees. Dort verzehrten wir unsere Lunch Pakete
und bestaunten die fünfstufige Staustufe, die vom zulaufenden Kanal (Kaledonischer Kanal) in den Loch
Ness führt.
Anschließend
fuhren wir entlang des West Highland
Way. Hier ging es über Fort
William durch unglaubliche und immer noch schöner werdende Highlands, vorbei am
höchsten Berg Schottlands, dem Ben Nevis, durch das Glencoetal, dem Tal der
Tränen zu Schottlands größtem Süßwassersee, dem Loch Lomond in den Lowlands.
Hier machten wir erneut einen Stopp um die abendliche Ruhe am See zu genießen
(oder zu stören?).
Um 18.30
Uhr erreichten wir unser Ziel, das Euro Hostel mitten in Glasgows Zentrum.
Nachdem wir die letzten Tage und Nächte richtig verwöhnt wurden war der Zustand
des Hauses für uns ein kleiner Kulturschock. Vom schottischen Schlösschen in quietschende
Jugendherbergsbetten, manch einer nannte sein Zimmer auch Gefängniszelle.
Nur eine
Sängerin hatte das Privileg bei ihrem Onkel zu übernachten, der in Glasgow
wohnt.
Also wurden
die Koffer schnell in die Zimmer verstaut und wir machten uns auf den Weg um zwei
Pizza Huts zu überfallen. Am späten Abend war dann die Müdigkeit groß genug um
auch nach diesem Tag „hundemüde“ ins Bett zu fallen. Bis auf einige wenige….
Am Morgen
des letzten Tages, Mittwoch, 2. Juni,
trafen wir uns um 7.30 Uhr zum Frühstück und verstauten anschließend unsere
Koffer im Bus und trafen am George Square unseren Reiseführer Stewart Noble, der
uns in perfektem Deutsch „sein“ Glasgow zeigte. Glasgow ist in den letzen
zwanzig Jahren wie ein Phönix aus der Asche erstanden und mauserte sich zunehmends
zu einer europäischen Metropole mit moderner Architektur und Kunst. Wir
besichtigten die baugeschichtlich weltbedeutende Kathedrale, sangen dort unser
„Hosanna filio David“ und machten eine Rundfahrt durch Glasgow. Nach einem
schnell organisierten Mittagessen mit Hamburgern und Pommes war gerade noch
eine Stunde Zeit um in der Fußgängerzone shoppen zu gehen und die letzten
Mitbringsel zu kaufen. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl stellte sich ein, als
zwei jüngere Teilnehmer zehn Minuten nach der vereinbarten Zeit immer noch
nicht am Treffpunkt erschienen. Aber dann kamen sie schließlich doch noch
grinsend die Straße entlanggelaufen und wir konnten uns auf den Weg zum
Flughafen nach Edinburgh machen.
So langsam
stellte sich bei den meisten ein ganz komisches Gefühl ein, nämlich die Freude
auf das Zuhause vermischt mit dem Gefühl, dass man eigentlich noch dableiben
möchte, weil es hier so schön ist.
Nach einem
wunderschönen, ruhigen Flug landeten wir froh und glücklich am sonnigen Frankfurter
Flughafen um dann „planmäßig“ um 22.30 Uhr am Volksfestplatz in Aschaffenburg
anzukommen.
Vielen Dank
an Claudia
Koenen
und Andrea Unterguggenberger, die uns begleitet haben, unter anderem mit Rat
und Tat, ausreichend Verbandsmaterial, Sickbags, Globuli, tröstenden Worten und
hilfreichen Übersetzungen.
Good bye Scotland.
We’ll come back!!!