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Konzert in Perth, Pontifikalamt in Dundee
Reiserückblick: Stiftschorknaben und -mädchen in Schottland
Aschaffenburg/Perth/Dundee Die Aschaffenburger Stiftschorknaben und -mädchen waren vom 28. Mai bis 2. Juni auf Schottlandreise. Zum offiziellen Teil der Reise gehörten ein Konzert in Aschaffenburgs schottischer Partnerstadt Perth und die musikalischen Gestaltung des Pontifikalamtes in der St. Andrews Cathedral in Dundee am Dreifaltigkeitssonntag. Natürlich kam auch Spaß und Sightseeing nicht zu kurz. So standen unter anderem der Besuch von Glamis Castle, eine Schifffahrt auf Loch Ness und eine abenteuerliche Reise durch die Highlands auf dem Programm.
Gruppenbild im Anschluss an das Pontifikalamt in der St. Andrews Cathedral in Dundee. Bischof Vincent Logan und eine Delegation mit dem Provost John Hulbert aus Perth, der Partnerstadt Aschaffenburgs.

Reisebericht

Am Freitag, den 28. Mai starteten wir, 41 Sängerinnen und Sänger, unsere Betreuerinnen Andrea Unterguggenberger und Claudia Koenen und unser Chorleiter Andreas Unterguggenberger um 13.30 Uhr am Aschaffenburger Volksfestplatz in Richtung Flughafen Frankfurt/Main. Unser Flug LH 4942 startete pünktlich um 16.40 Uhr.

Schon während des Fluges merkten wir, dass das Wetter immer besser wird.

„Wenn Engel reisen….“

Für einige war es der erste Flug, auch für unser Geburtstagskind Henry. „Zufällig“ erfuhr die Stewardess davon, dass Henri an diesem Tag 11 Jahre alt wurde. Während des Fluges gratulierte sie über Lautsprecher und der Chor stimmte hoch über den Wolken zu einem Geburtstagsständchen an. Henri durfte sogar, entgegen aller Sicherheitsbestimmungen, während der Landung im Cockpit sitzen und die Landung in Edinburgh aus einer ganz besonderen Perspektive erleben.

17.40 Uhr Ortszeit landeten wir in Edinburgh, wo wir gleich von unserem Bus von „Aberfeldy Motors“ abgeholt und nach Perth gebracht wurden. Wegen eines Staus vor der großen Brücke über den Firth of Forth (gäl.: Abhainn Dhubh) kamen wir mit etwas Verspätung an der Craigclowan Preparatory School in Perth an, wo wir schon von unseren Gastfamilien erwartet und freudig begrüßt wurden.

Den Abend verbrachten die Sängerinnen und Sänger in den Gastfamilien. Teilweise waren wir in kleinen „Schlösschen“ untergebracht, in Himmelbetten gebettet und von Schafen und Ziegen umgeben.

So haben wir uns Schottland vorgestellt….

 

Den Samstagvormittag verbrachten wir mit unseren Gastfamilien. Um 15.00 Uhr trafen wir uns in der St. Johns Kirk in Perth zu einer Probe. Mittlerweile war auch unsere Organistin Caroline Roth aus Köln eingetroffen. Unsere Probe verlief reibungslos. Die Probe mit dem Erwachsenenchor, dem schottischen Kinderchor und dem Orchester war, bedingt durch Sprachschwierigkeiten und Platzmangel, etwas „chaotisch“.

Um 19.30 Uhr fand dann das Benefizkonzert zugunsten von Kindern in Haiti statt. Zuerst sang der Senior Choir der Craigclowan Preparatory School bevor wir dann unser Programm mit Werken der Gregorianik, von Pergolesi, Rheinberger, Caccini und Tambling. Natürlich durfte unser „I will lift up mine eyes“ nicht fehlen. Der Applaus des Publikums zeigte den jungen Sängerinnen und Sängern, dass sie eine hervorragende Leistung erbracht hatten. Selbst der „kritische“ Aschaffenburger Chorleiter machte ein zufriedenes Gesicht. Im zweiten Teil des Konzertes kam dann die „Mass of the Children“ des englischen Komponisten John Rutter zur Aufführung. Wir musizierten gemeinsam mit dem Chor der Craigclowan Preparatory School, der Perth Choral Society und einem Instrumentalensemble. Neben zahlreichen Besuchern kam auch der Provost von Perth, John Hulbert um uns zu hören. Die Zuhörer waren sichtlich gerührt und begeistert. An diesem Abend konnten ca. 2000 Euro für Kinder in Haiti gesammelt werden.

Am Sonntag, den 30. Mai trafen wir uns um 9.00 Uhr um nach Dundee zu fahren. Bei strömendem Regen kamen wir an der katholischen St. Andrews Cathedral an und wurden herzlich von Father Martin und dem Organisten Mr. Joseph Antrobus empfangen. Nach einer kurzen Probe gingen wir ungefähr drei Stockwerke in den Untergrund um uns für das Pontifikalamt umzuziehen.

Wir durften einen beeindruckenden und berührenden Gottesdienst mit Bischof Vincent Logan feiern. Wieder einmal waren wir von der schottischen Gastfreundschaft überwältigt. Die Verantwortlichen hatten sich richtig Mühe gemacht um uns in Deutsch zu begrüßen. Selbst Bischof Logan sprach einige Worte in Deutsch an uns. Die Fürbitten waren zweisprachig vorbereitet und wurden von einem schottischen Lektor und Hannah Kiesel vorgetragen. Und die Aschaffenburger sangen so schön, dass am Ende des Gottesdienstes die Sonne durch die Kirchenfenster strahlte.

„Wenn Engel singen und reisen….“

Provost John Hulbert aus Perth hatte es sich nicht nehmen lassen und ist extra wegen uns nach Dundee gefahren um am Pontifikalamt teilzunehmen.

Nach dem Gottesdienst war ein Empfang mit Getränken, Sandwiches, Shortbread und anderen Leckereien für uns vorbereitet. Andreas Unterguggenberger bedankte sich bei Bischof Logan und Father Martin für den tollen Empfang und die herzliche Gastfreundschaft und „for the shortest sermon of a bishop“ –  für die kürzeste Bischofspredigt, die wir je erleben durften. Und wir haben in unserem Chorleben schon viele gehört…. Natürlich wurden auch Gastgeschenk wie eine CD und Bücher über Aschaffenburg und das Stift überreicht.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten wir noch Zeit um kurz durch das Zentrum von Dundee zu bummeln.

Am Nachmittag stand der Besuch von Glamis Castle an. Wir hatten eine Führung durch den Wohnsitz des Earls und der Countess of Strathmore. „Queen Mum“ verbrachte hier ihre Kindheit und ihre Tochter Prinzessin Margaret wurde hier geboren. Ein Bild des Schlosses ist auf der Zehn-Pfund-Note der Royal Bank of Scotland abgebildet.

Das Schloss findet sich in zahlreichen Sagen wieder und hat, will man örtlichen Legenden glauben, mehr dunkle Geheimnisse als jedes andere Schloss im Vereinigten Königreich. Auch in der Literatur fand es Erwähnung, z. B. in William Shakespeares Macbeth.

Den Abend verbrachten wir wieder mit unseren Gastfamilien, zum Teil fanden Barbecue-Partys im großen Kreis statt.

Montag, der 31. Mai – Der Tag des Abschiedes. Am Morgen trafen wir uns auf dem Gelände der Craigclowan Preparatory School um unseren Bus zu beladen und uns von unseren Gastfamilien und Gastgebern zu verabschieden. Als letzter offizieller Punkt stand ein Empfang beim Provost von Perth auf dem Programm. Im Rathaus von Perth wurden wir herzlich empfangen. John Hulbert dankte uns noch einmal für unser Kommen und das beeindruckende und berührende Konzert am Samstagabend. Andreas Unterguggenberger bedankte sich für die Einladung und die Ehre, Teil der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Stadtjubiläum gewesen sein zu dürfen. Der Provost erhielt neben edlen Tischservietten mit dem Emblem der Stiftsbasilika und einer CD auch eine Regenjacke für seinen nächsten Besuch in Aschaffenburg.

Der Chor bedankte sich mit dem schottischen Lied „My bonnie is over the ocean“ beim Provost, der sichtlich gerührt war.

Im Anschluss hieß es dann auch Abschied nehmen von Ástmar Olafson, dem Chorleiter des schottischen Partnerchores, der unseren Aufenthalt perfekt organisiert hatte. Er und Andy Rathborne, der Headmaster der Schule gaben uns das Versprechen, dass sie uns mit ihrem Chor baldmöglichst in Aschaffenburg besuchen kommen.

Dann ging es los mit unserer Fahrt in die Highlands. Das Ziel das Abends hieß Inverness, die Stadt am Caledonian Canal im Norden von Loch Ness. Wir bewunderten eine traumhafte, sattgrüne Landschaft die alle zehn Minuten ihr Gesicht änderte. Es gab viel zu staunen und zu bewundern. Leider führte der Weg auch über sehr kurvige Straßen und so waren Chorleiter und Begleitpersonen damit beschäftigt, sämtliche Plastiktüten im Bus ausfindig zu machen und zu verteilen. Erst eine „Zwangspause“ verschaffte allen müden und durchgeschüttelten Sängerinnen und Sängern eine Prise Frischluft und etwas Bewegung. Danach ging es weiter zum ersten Halt im malerischen Highland-Örtchen Braemar. In Kleingruppen erkundeten wir das Städtchen bevor es weiter durch die Highlands ging. In der Ferne konnte man den schottischen Landsitz der Queen, Balmoral, sehen. In Balater legten wir einen weiteren Zwischenstop ein, besuchten die kleine Kirche und stürmten die Geschäfte.

Am Abend kamen wir in unseren ersten Etappenziel unserer „Highland-Tour“ an: Inverness. Alle waren vom Craigmonie Hotel sofort begeistert. Dieser Eindruck verstärkte sich noch beim grandiosen Abendessen mit Vorspeisen, Hauptgängen und einer reichen Auswahl an Nachtischen.

Dieses Menue musste natürlich verdaut werden und so verordnete der Chorleiter, der ja immer auf die Gesundheit seiner Schützlinge bedacht ist, einen kleinen Spaziergang. Wir spazierten eineinhalb Stunden durch die wunderschöne Innenstadt zum River Ness, der von Loch Ness bis in die Nordsee fließt. Wir stürmten den Schlossberg, flanierten an der Uferpromenade und brachten Hängebrücken zum Wackeln.

Und so fielen fast alle müde und erschöpft in die sauberen und weichen Hotelbetten. Bis auf einige wenige, die erst um kurz nach zwölf feststellten, dass sie keine Bettdecken hatten. Kurzerhand wurde der Chorleiter aus dem Bett geklopft. Dieser dachte zuerst an einen Streich, machte sich dann aber doch mit den zwei Damen auf die Suche nach einem Hotelangestellten. Dieser konnte dann nach langer Suche noch eine Bettdecke auftreiben.

 

Am Dienstag, den 1. Juni war es endlich soweit; wir machten uns auf die Suche nach dem Monster, von dem sicher schon fast jedes Kinder einmal gehört hat: NESSIE.

Mit einem Schiff der Jacobite Cruises fuhren wir ein Stück den Caledonian Canal, der die Nordsee mit dem Atlantik verbindet, hinauf um mit Hilfe einer Staustufe endlich auf Loch Ness hinaus fahren zu können. Viele Augen suchten das Wasser ab und Nessie wurde mehrfach entdeckt, aber wir haben unseren schottischen Freunden versprochen, dass wir niemanden erzählen, wie Nessie aussieht, denn sonst würde der schottische Tourismus zusammenbrechen. Nach einer herrlichen, fast zwei Stunden dauernden erfrischenden Schifffahrt erreichten Urquhart Castle, eine der ältesten Burgruinen Schottlands. Von dort bot sich noch einmal ein wundervoller Blick über Loch Ness und die herrliche Umgebung.

Unser Bus holte uns an der Burgruine ab und fuhr uns am Westufer entlang bis Fort Augustus am Südufer des Sees. Dort verzehrten wir unsere Lunch Pakete und bestaunten die fünfstufige Staustufe, die vom zulaufenden Kanal (Kaledonischer Kanal) in den Loch Ness führt.

Anschließend fuhren wir entlang des West Highland Way. Hier ging es über Fort William durch unglaubliche und immer noch schöner werdende Highlands, vorbei am höchsten Berg Schottlands, dem Ben Nevis, durch das Glencoetal, dem Tal der Tränen zu Schottlands größtem Süßwassersee, dem Loch Lomond in den Lowlands. Hier machten wir erneut einen Stopp um die abendliche Ruhe am See zu genießen (oder zu stören?).

Um 18.30 Uhr erreichten wir unser Ziel, das Euro Hostel mitten in Glasgows Zentrum. Nachdem wir die letzten Tage und Nächte richtig verwöhnt wurden war der Zustand des Hauses für uns ein kleiner Kulturschock. Vom schottischen Schlösschen in quietschende Jugendherbergsbetten, manch einer nannte sein Zimmer auch Gefängniszelle.

Nur eine Sängerin hatte das Privileg bei ihrem Onkel zu übernachten, der in Glasgow wohnt.

Also wurden die Koffer schnell in die Zimmer verstaut und wir machten uns auf den Weg um zwei Pizza Huts zu überfallen. Am späten Abend war dann die Müdigkeit groß genug um auch nach diesem Tag „hundemüde“ ins Bett zu fallen. Bis auf einige wenige….

Am Morgen des letzten Tages, Mittwoch, 2. Juni, trafen wir uns um 7.30 Uhr zum Frühstück und verstauten anschließend unsere Koffer im Bus und trafen am George Square unseren Reiseführer Stewart Noble, der uns in perfektem Deutsch „sein“ Glasgow zeigte. Glasgow ist in den letzen zwanzig Jahren wie ein Phönix aus der Asche erstanden und mauserte sich zunehmends zu einer europäischen Metropole mit moderner Architektur und Kunst. Wir besichtigten die baugeschichtlich weltbedeutende Kathedrale, sangen dort unser „Hosanna filio David“ und machten eine Rundfahrt durch Glasgow. Nach einem schnell organisierten Mittagessen mit Hamburgern und Pommes war gerade noch eine Stunde Zeit um in der Fußgängerzone shoppen zu gehen und die letzten Mitbringsel zu kaufen. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl stellte sich ein, als zwei jüngere Teilnehmer zehn Minuten nach der vereinbarten Zeit immer noch nicht am Treffpunkt erschienen. Aber dann kamen sie schließlich doch noch grinsend die Straße entlanggelaufen und wir konnten uns auf den Weg zum Flughafen nach Edinburgh machen.

So langsam stellte sich bei den meisten ein ganz komisches Gefühl ein, nämlich die Freude auf das Zuhause vermischt mit dem Gefühl, dass man eigentlich noch dableiben möchte, weil es hier so schön ist.

Nach einem wunderschönen, ruhigen Flug landeten wir froh und glücklich am sonnigen Frankfurter Flughafen um dann „planmäßig“ um 22.30 Uhr am Volksfestplatz in Aschaffenburg anzukommen.

Vielen Dank an Claudia Koenen und Andrea Unterguggenberger, die uns begleitet haben, unter anderem mit Rat und Tat, ausreichend Verbandsmaterial, Sickbags, Globuli, tröstenden Worten und hilfreichen Übersetzungen.

 

Good bye Scotland. We’ll come back!!!

 

Veröffentlicht: 07.06.2010 Andreas Unterguggenberger